Farbenrausch im Herbst!
Ein goldener Oktobertag in Potsdam-Bornim. Wir besuchen einen Ort, an dem die Gartenkunst Geschichte geschrieben hat: Garten und Wohnhaus von Staudenpapst Karl Foerster. Besonders jetzt, wenn der Herbst die Farben mischt und das Laub raschelt, lohnt sich der Besuch. Zwischen Dahlien, Astern und Gräsern entfaltet die Natur ein Feuerwerk der Farben.

Ein Leben für den Garten
Am Gartentor lächelt er uns zu: Karl Foerster (1874–1970), leidenschaftlicher Gärtner, Pflanzenzüchter, Visionär und Gartenphilosoph. Er zeigte, dass ein Garten nicht perfekt sein muss – nur lebendig.

Foerster lässt Stauden sprechen – und macht sie zu Stars im Garten. Sein Potsdamer Paradies nutzt er als „Versuchslabor“ und verwirklicht hier den Leitsatz: „Es wird durchgeblüht!“ Heißt: In seinem Garten gibt es Blüten zu jeder Jahreszeit – vom Frühjahr bis zum Frost. Karl Foerster will, dass Gärten lebendig sind, pflegeleicht – und im Rhythmus der Jahreszeiten tanzen. So wird er zum Erneurer der Gartenkultur in Deutschland.

Foersters 7 Jahreszeiten
Karl Foerster glaubt: Vier Jahreszeiten sind für den Garten zu wenig. Er sieht sieben, eine jede mit eigenem Rhythmus, eigener Schönheit. Sein Motto:
Ein Garten ist niemals leer. Er wandelt sich – und bleibt lebendig.

Im Vorfrühling (1) atmet der Garten auf, wenn Schneeglöckchen und Krokusse das erste Grün ankündigen. Der Frühling (2) ist die Zeit der Blütenfülle: Tulpen, Narzissen, junges Laub. Alles ist frisch und klar. Es folgt der Frühsommer (3): Pfingstrosen und Akeleien übernehmen. Der Garten wird rund, farbiger, lebendiger.

Im Hochsommer (4) bringen Phlox, Lilien und Sonnenhut Glanz und Wärme. Die Farben stehen im vollen Licht.

Im Herbst (5) verzaubern Astern, Gräser und Dahlien mit Gold und Purpur: Zeit der Ruhe und Reife.

Der Spätherbst (6) bringt Nebel, ersten Frost und feine Strukturen. Schönheit im Vergehen.

Im Winter (7) treten Formen, Linien und Schatten hervor. Der Garten wird still – und lehrt das Sehen.

Gartenkonzept
Karl Foerster gestaltet den Garten als Gesamtkunstwerk aus Formen, Farben und Jahreszeiten. Er setzt auf klare Linien, sanfte Übergänge und harmonische Farbfolgen. Jede Pflanze hat ihren Platz – doch nichts wirkt starr. Das Ziel: natürliche Schönheit mit Struktur.

Stauden und Dahlien
Foerster ist Staudenmensch mit Leib und Seele. Er züchtet mehr als 370 neue Sorten, darunter legendäre Phloxe, Rittersporne und Astern. Dahlien liebt er besonders – sie bringen bis in den Spätherbst Glanz in die Beete. Viele seiner Züchtungen blühen heute noch in Gärten weltweit.


Der Senkgarten
Herzstück der Anlage ist der Senkgarten – eine tiefergelegte Gartenkammer, umgeben von Mauern und Stufenrabatten. Hier entstehen geschützte Mikroklimate – perfekt für empfindliche Pflanzen. Im Herbst leuchten Astern, Fetthenne und Gräser in allen Tönen von Gold bis Purpur.

Der Senkgarten wirkt auf uns wie ein grünes Amphitheater!

Das Wohnhaus
Foersters Haus steht mittenmang: schlicht, hell, mit Blick auf sein Werk. Hier lebt und arbeitet der Gartenphilosoph fast 60 Jahre lang, bis zu seinem Tod 1970.

Noch heute scheint es, als sei der Hausherr nur mal kurz in die Beete gegangen, um Verblühtes abzuzupfen.

Wir spicken durchs Fenster …

… in Foersters Arbeitszimmer, wo seine Schreibmaschine auf ihn zu warten scheint. Mehr 30 Bücher schreibt er im Laufe seines langen Gärtnerlebens – das erste erscheint 1911, das letzte 1968.

Kunstwerken begegnen wir bei unserem Rundgang auch noch! 2024 feiert Potsdam den 150. Geburtstag Karl Foersters. Aus diesem Anlass zeigt der Garten die Ausstellung „Gartenkeramik in herbstlicher Blütenschönheit“ der Künstlerin Dorothea Nerlich.

Gut zu wissen
🌿 Karl Foerster ist überzeugt: „Ein Garten ist ein Lehrer der Geduld und der Freude.“
🏡 Sein Garten ist seit 1981 Gartendenkmal und kann das ganze Jahr über besichtigt werden.
🐝 Mehr als 250 Pflanzenarten locken Bienen, Schmetterlinge und Fotograf*innen gleichermaßen.
🎨 Foersters Garten in Potsdam dient bis heute als Vorbild für öffentliche Parks.
Wer sich heute um das Gartenerbe kümmert, erzählt das Video der Stadt Potsdam.
Fazit
Karl Foersters Garten ist zu jeder der sieben Jahreszeiten reizvoll. Mir persönlich gefällt der Herbst mit seinen intensiven Farben am besten!

Infos
- Wohnhaus und Garten Karl Foerster
Am Raubfang 7 | 14469 Potsdam | 0331-520936 - Öffnungszeiten
Oktober bis März: Dienstag bis Sonntag von 9.00 bis 17.00 Uhr
April bis September: Dienstag bis Sonntag von 9.00 bis 21.00 Uhr - Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Fotos © Bettina Melzer