Eine Weltreise in Berlin!
Sanftes Sonnenlicht, Bäume im Herbstlaub, feuchte duftende Erde. Wir erleben einen goldenen Oktobertag in den Gärten der Welt in Berlin Marzahn. Zwischen leuchtenden Ahornen und stillen Teichen begegnen wir den Gartenschönheiten vieler Kulturen. Wir gehen auf Weltreise – von Asien bis Europa.

Geschichte
Sogar viele Berlinerinnen und Berliner sehen ausschließlich Plattenbauten vor ihrem geistigen Auge, wenn sie das Wort „Marzahn“ hören. Tatsächlich gibt es mitten im Stadtteil ein riesiges grünes Paradies – die Gärten der Welt. Und das kam so!
In den 1970er Jahren wächst in Ost-Berlin das neue Wohngebiet – mit vielen Häusern, aber kaum Grün. Um den Menschen Natur und Erholung zu bieten, beschließt die Stadt, einen großen Park anzulegen. So entsteht auf ehemaligem Ackerland der Erholungspark Marzahn.
Der Park wird am 9. Mai 1987 eröffnet – pünktlich zum 750. Stadtjubiläum Berlins. Ein Prestigeprojekt unter dem Motto: Erholung für alle Generationen. Große Rasenflächen werden geschaffen, Spielplätze und Spazierwege. Nach der Wiedervereinigung bekommt der Park ein neues Konzept. Er soll internationale Gartenkunst zeigen – und ein Ort des kulturellen Austauschs werden.
Balinesischer Garten
Tropen unter Glas
Das Paradies liegt hinter’m Haupteingang gleich links – in einem 2.000 Quadratmeter großen, gläsernen Tropenhaus. An diesem zwar sonnigen aber kühlen Herbsttag haut uns die feuchte Wärme des balinesischen Gartens direkt um. Also Mütze runter, Schal und Mantel weg!

Der Balinesische Garten, ein grüner Urwald mitten in Berlin, entstand 2003 im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Jakarta. Im Mittelpunkt: ein Wohnhof im südbalinesischen Stil. Ein Entwurf des indonesischen Architekten I Putu Edy Semara. Viele Teile wurden auf Bali vorgefertigt und nach Berlin gebracht.

Himmel, Erde und Mensch im Einklang
Tri Hita Karana, der Garten der drei Harmonien, vereint Himmel, Erde und Mensch. Alles ist verbunden, auch mit der reichen Welt der Götter und Dämonen auf Bali. In der Halle wachsen große Farne und Palmen, Hibiskus, Orchideen, Frangipani.

Der Balinesische Garten „beamt“ uns umgehend auf die Insel der Götter, die wir mehrfach besucht haben. Vulkangestein und Monsunregen schaffen auf Bali ideale Bedingungen für üppiges Wachstum. Viele Pflanzen sind nicht nur schön, sondern heilig – Sie gehören zu Opfergaben und Ritualen. Natur und Spiritualität sind untrennbar verbunden. Auch Götter und Dämonen haben einen festen Platz im Alltag der Balinesen. Es geht hier keineswegs um Gut gegen Böse. Es ist die Balance zwischen den Polen, die zählt – zwischen Schwarz und Weiß, Licht und Schatten.











Impressionen von Bali
Seouler Garten
Grüne Brücke zwischen Korea und Berlin
Weiter geht unsere Weltreise. Nach Korea, in den Seouler Garten. Ein Ort der Stille. 2006 wurde der Garten als Geschenk der Stadt Seoul an Berlin eröffnet. Er steht für Freundschaft, Austausch und Verbundenheit. Gestaltet haben ihn koreanische Gartenarchitekten, gebaut wurde er von Handwerkern aus Korea und mit Materialien, die eigens importiert wurden.

Hinter dem Haupttor nehmen uns diese freundlich lächelnden Wächterfiguren in Empfang, sogenannte Jangseung (장승). Traditionell standen sie früher an Dorfeingängen, Wegen oder Tempeln, um Unheil, Krankheiten und böse Geister fernzuhalten. Gleichzeitig fungierten sie als Grenzmarkierungen und als stille Aufpasser über die Gemeinschaft.

Im Seouler Garten erinnern die Jangseung an die schamanischen Wurzeln Koreas. Sie symbolisieren den Respekt vor Naturkräften und das Gleichgewicht zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem.

Mehrere offene, miteinander verbundene Gartenhöfe – sogenannte Ma-Dang – gruppieren sich um einen Pavillon im Zentrum der Anlage.

Die Außenmauern werden von Fächerahornen beschattet, die gerade ihr Herbstkleid angezogen haben.

Die gelbe Herbstfarbe ist übrigens ganz normal. Denn nicht jeder Fächerahorn wird leuchtend rot. Viele Sorten färben sich goldgelb, besonders wenn sie im Halbschatten stehen.

Folge der Natur
Nichts ist zufällig, nichts laut im Seouler Garten. Sanfte Hügel, Wasser, Felsen und Pflanzen gehen fließend ineinander über.

Das leise Herz des Gartens
Wasser spielt eine wichtige Rolle: Es soll nicht mit seiner Kraft beeindrucken, sondern den Betrachter beruhigen. Daher fließt es langsam oder liegt still – ohne große Kaskaden oder die Dramatik eines Wasserfalls. Im ruhigen Wasser spiegeln sich Himmel, Bäume und Pavillons – es verbindet alle Elemente des Gartens miteinander.

Der Mensch ist nicht Mittelpunkt, sondern Teil der Landschaft. Wir schauen auf das Wasser, sitzen am Ufer, hören es leise plätschern, doch wir beherrschen es nicht. Der Pavillon Kye Zeong öffnet sich zum Teich, Wege folgen dem Ufer, nichts stellt sich dem Fluss der Natur entgegen. Ein Day-Spa für die Seele!

Gefäße der Zeit – Wo Geschmack reift!
Am Ende unseres Rundgangs durch den Seouler Garten fallen uns diese schlichten, eleganten Tontöpfe ins Auge. Es sind Onggi (옹기), traditionelle Fermentationsgefäße. Sie bestehen aus grobem Ton und werden bei relativ niedrigen Temperaturen gebrannt. So bleibt das Material mikroporös – es „atmet“. Was wichtig ist für die Fermentation. In Onggi reifen seit Jahrhunderten koreanische Grundnahrungsmittel: Kimchi, Sojabohnenpaste Doenjang, Chilipaste Gochujang und Sojasauce Ganjang. Traditionell stehen die Tonpötte draußen. Wind, Sonne und Temperaturwechsel gehören also zum Reifungsprozess. Die Onggi zeigen: Kultur lebt nicht nur in Tempeln, sondern auch in der Küche!

Japanischer Garten
Stille in Form gebracht
Uns zieht es nun ins Land der Aufgehenden Sonne, nach Japan. 2003 wurde der Japanische Garten eröffnet, ein Projekt der Städtepartnerschaft zwischen Tokio und Berlin. Entworfen hat die Anlage Shunmyō Masuno – Zen-Priester, Gartendesigner und Hochschullehrer. Der vielseitige Künstler ist berühmt für seine klaren, meditativen Gartenkonzepte. Im Garten des zusammenfließenden Wassers Yū Sui En konzentrierte sich Masuno auf Harmonie, sanfte Übergänge und Ruhe. Einen Ort der Kontemplation hat er geschaffen.

An der Schwelle zur Stille
Empfangen werden wir von dieser Steinlaterne, einer Tōrō. In Japan stehen Tōrō häufig an Eingängen, Wegen, Brücken oder am Wasser. Moos, Alter und Patina sind kein Makel, sondern Teil ihrer Schönheit – ein Zeichen von Zeit und Vergänglichkeit. Die Laterne markiert eine Schwelle: Man tritt nicht einfach ein, man kommt an.

Vom Bleiben und Fließen
Steine und Wasser bilden das Rückgrat des japanischen Gartens. Steine geben dem Garten Halt, Wasser gibt ihm Zeit. Es fließt, ruht, spiegelt – und verändert sich ständig. Im Garten erscheint es als Teich, Bach oder angedeutet durch Kies. Wasser bringt Leichtigkeit und öffnet den Blick.

Ohne Wasser wären Steine hart und ohne Steine wäre Wasser richtungslos. Steine sind das älteste Element im Garten. Ihre Anordnung folgt keiner Symmetrie, sondern innerer Ordnung. Jeder Stein hat eine Richtung, eine Haltung, eine Aufgabe. Gemeinsam bilden sie eine stille Landschaft – fest, ruhig, tragend.

Erst im Zusammenspiel entfalten Steine und Wasser ihre Wirkung. Festes und Flüchtiges halten sich im Gleichgewicht. Steine symbolisieren Beständigkeit und Wasser den Wandel.

Die Schönheit des Vergehens
Wir sind zu besten Jahreszeit im Japanischen Garten. Denn für Japaner ist die Herbstlaubfärbung kein bloßes Naturereignis, sondern eine eigene Jahreszeit mit kulturellem Gewicht. Sie heißt Kōyō, was rote Blätter bedeutet.

Ähnlich wie die Kirschblüte im Frühling wird Kōyō bewusst erwartet, beobachtet und gefeiert. Menschen reisen gezielt dorthin, wo sich Bäume besonders schön färben. Man geht spazieren, schaut und hält inne.

Die Laubfärbung ist ein leiser Abschied vom Sommer, dem Japaner Zeit schenken. Ahorne sind deshalb so wichtig, weil sie den Wandel sichtbar machen. Von Grün zu Gelb, von Orange zu Rot. Eine Reise durch die Jahreszeiten, vom Frühling bis in den Herbst.

Garten des wiedergewonnenen Mondes
Chinesische Gartenkunst in Berlin
Unsere Garten-Weltreise führt uns in den Chinesischen Garten. Er wurde im Jahr 2000 eröffnet – als erster internationaler Themengarten auf dem Gelände. Entstanden ist er im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Beijing – als Zeichen von Austausch, Respekt und kultureller Nähe. Sein poetischer Name Garten des wiedergewonnenen Mondes steht für Einheit und Harmonie. Der runde Mond gilt in China als Sinnbild der Vollkommenheit – ein Verweis auf das wiedervereinigte Berlin.

Ein Garten wie ein Gedanke
Gestaltet wurde der Garten nach den Regeln eines klassischen chinesischen Gelehrtengartens. Er zeigt sich nicht auf einen Blick. Wege winden sich, Mauern lenken den Blick, Durchgänge rahmen immer neue Bilder.


Die Kunst des Umwegs
Nichts ist zufällig. Jeder Stein, jede Pflanze hat eine besondere Bedeutung. Bambus steht für Standhaftigkeit, Chrysanthemen für ein langes Leben.

Der Garten ist kein Ort des Prunks, sondern der Sammlung. Man geht langsam, bleibt stehen, schaut. Und merkt: Dieser Garten möchte nicht beeindrucken – er möchte ins Gleichgewicht bringen.
Spiegel des Himmels
Im Zentrum liegt der große See, der Spiegel des Himmels. Wasser, Himmel und Architektur verschmelzen hier zu einer ruhigen Bewegung aus Licht und Reflexion.

Die rote Pagode setzt mit ihrer vertikale Form einen Gegenpol zur horizontalen Weite von Wasser und Landschaft. Ein schöner Blickfang ist sie zudem. Rot ist in der chinesischen Kultur übrigens eine Glücksfarbe. Sie bedeutet Neubeginn, Lebensfreude, Schutz und Energie.

Das Teehaus am Ufer lädt zum Verweilen ein – nicht zum Eilen. Wir nehmen auf der Terrasse des Tsingtao-Pavillons Platz und genießen Tee-Spezialitäten, wie den ebenso hübschen wie köstlichen Lotusblumentee. Fun Fact: Die gezackte Brücke, die zum Teehaus führt, ist natürlich kein Zufall. Sie soll böse Geister verwirren, die nur geradeaus gehen können. Ach, die Armen! 😉

Renaissancegarten
Ordnung, Maß und mediterranes Licht
Wir verlassen Asien und reisen nach Europa – ins Italien des 15. und 16. Jahrhunderts. Der Renaissancegarten wurde 2008 eröffnet und ist inspiriert von den großen toskanischen Villengärten. Die Bobolina, eine Originalmarmorstatue aus dem 16. Jahrhundert, ist Namenspatin des Giardino della Bobolina. Sie verkörpert den Geist der Renaissance – die Wiederentdeckung der Antike und ihrer Schönheit(en).

Der Garten folgt den stilistischen Idealen der Renaissance: klare Formen, geometrische Strukturen, eine harmonische Balance zwischen Architektur, Kunst und Natur. Die Renaissance sah den Garten als verlängerten Wohnraum. Natur sollte nicht überwältigen, sondern beherrschbar und harmonisch sein. Hier zeigt sich das in klaren Achsen, symmetrischen Beeten und einer strengen Mitte.

Ein Garten mit Mittelpunkt
Im Zentrum liegt ein Wasserbecken mit Fontäne. Rundherum ordnen sich Buchs- und Eibenhecken, Wege und kleine Terrassen. Alles ist auf Balance ausgerichtet – nichts lenkt ab, alles führt zusammen. Wir fühlen uns tatsächlich in die Toskana versetzt. Und gleich werden uns bestimmt Michelangelo und Leonardo da Vinci begegnen. 😉

Der Renaissancegarten ist der einzige Themengarten in den Gärten der Welt, der keine Nation, sondern eine Epoche repräsentiert.

Cottage Garden
Landschaftsmalerei in 3D
Vom Renaissancegarten führt uns der Weg von Ordnung und Maß zu lässigem Durcheinander im Englischen Cottage Garden. Wo zuvor strenge Geometrie herrschte, regiert nun idyllische Wildnis.
Weniger Planung, mehr Leben. Hier darf wachsen, was sich wohlfühlt. Blüten mischen sich, Farben fließen ineinander, der Garten wirkt ungezwungen und einladend. Er orientiert sich an den traditionellen englischen Landgärten. Hier geht es nicht um Perfektion, sondern um Nähe zum Alltag, zur Natur, zum eigenen Rhythmus.

Garten ohne Regeln
Seine Wurzeln hat der Cottage Garden im ländlichen England des frühen 19. Jahrhunderts. Die Menschen begannen, vor ihren einfachen Häusern Mischpflanzungen anzulegen. Sie wollten Kräuter und Gemüse direkt vor der Haustür haben. Diese Gärten waren in erster Linie praktisch und dienten der Selbstversorgung. Man wollte es schließlich auch hübsch haben und ergänzte Zierpflanzen und Stauden: Rosen, Lupinen, Phlox und Hortensien. So entstand ein wilder Mix aus subtiler Eleganz und ungezähmter Wildheit, Fülle und Farbe. Der Charme des Cottage-Garten: die perfekte Nachlässigkeit.

Leuchtender Herbst
Im Herbst wird es hier besonders warm. Astern, Gräser und späte Stauden übernehmen das Bild. Zwischen ihnen leuchten Dahlien – kräftig, selbstbewusst, ein wenig verspielt.

Dahlien bringen Farbe bis in die kühlen Tage und zeigen, dass der Garten auch im Abschied noch üppig sein darf. Der Cottage Garden verliert nicht an Schönheit – er wird reifer.

Schönes und Nützliches
Typisch für den Cottage Garden ist die Verbindung von Schönem und Nützlichem. Obstbäume, Heilkräuter, Stauden und Blumen gedeihen harmonisch nebeneinander. Der Garten ist kein Schauraum, sondern ein Ort zum Leben.

Orientalisch-Islamischer Garten
Paradies aus Wasser und Geometrie
Nach der üppigen Freiheit des Cottage Garden wird der Raum wieder klarer. Wir verlassen Europa und reisen nach Nordafrika. In einen Garten, der Ordnung nicht als Strenge versteht, sondern als Möglichkeit zur Ruhe zu kommen.

Der Orientalisch-Islamische Garten wurde 2005 eröffnet. Ein Geschenk des Königreichs Marokko an die Stadt Berlin. Inspiriert von traditionellen islamischen Paradiesgärten, wie sie auch im Süden Spaniens zu finden sind.

Ein Garten nach innen
Gestalterisches Vorbild ist der Riad, ein nach innen gerichteter Hofgarten. Hohe Mauern schirmen den Garten nach außen ab. Im Inneren öffnet sich ein streng geometrischer Raum, gegliedert durch Wege, Beete und Wasserläufe.

Wo Wasser Ordnung schafft
Zentrales Element ist das Wasser. Es fließt in schmalen Kanälen, sammelt sich in Becken und Brunnen. Wasser symbolisiert Islam Leben, Reinheit und göttliche Ordnung. Sein leises Plätschern kühlt nicht nur die Luft, sondern auch die Gedanken.

Der Garten folgt dem klassischen Motiv der vier Ströme des Paradieses: Wasser, Milch, Wein und Honig – Symbole für Fülle, Frieden und Verheißung. Pflanzen wie Orangenbäume, Feigen, Rosen und duftende Kräuter sprechen alle Sinne an. Der Orientalisch-Islamische Garten ist kein Ort des Durchgangs. Er ist ein Ort des Rückzugs. Ein Garten, der schützt, sammelt und zur inneren Ruhe führt. Der perfekte Schlusspunkt für unsere Reise um den Globus durch die Gärten der Welt!

Fazit
In den Gärten der Welt gehen wir auf Reisen ohne Koffer. Jeder Garten erzählt von einer Kultur und ihrer Art, Natur zu verstehen. Wir waren schon oft hier. Auch zur Kirschblüte im Frühling lohnt der Besuch. Unser Video dazu nimmt euch schon jetzt mit. Ein Ort, den man nicht abhakt, sondern immer wieder gern besucht.
Gut zu wissen
🌸 Eröffnet wurden die Gärten der Welt 1987 als „Erholungspark Marzahn“.
🌿 Heute zeigen sie 10 Themengärten und mehr als 20 Landschaftsinstallationen.
🚡 Mit der Seilbahn kann man das ganze Gelände von oben überblicken.
🎶 2017 fand hier die IGA Berlin statt.
☕ Im Park gibt es mehrere Teehäuser und Cafés – perfekt für eine kleine Pause mit Aussicht.

Infos
- www.gaertenderwelt.de
Haupteingang: Blumberger Damm 44 | 12685 Berlin - Öffnungszeiten: täglich ab 9.00 Uhr | November bis Februar bis 16 Uhr
März und Oktober bis 18 Uhr | April bis September bis 20 Uhr

Fotos © Bettina Melzer
