Tormaresca: Weinmacher aus Leidenschaft

Eine Genussreise nach Apulien

Apulien: Schon beim Klang des Namens habe ich kristallklares Meer, pittoreske Städtchen, weite Olivenhaine, sanfthügelige Weinberge, endlose Weinfelder und Olivenhaine vor Augen.

Weinbau mit langer Geschichte

Apulien gehört mit mehr als 100.000 Hektar Rebfläche und sieben Millionen Hektoliter Jahresproduktion gemeinsam mit Sizilien und Venetien zu den größten Weinbauregionen Italiens. Eines der ältesten Weinbaugebiete der Welt ist die Region zudem. Schon vor mehr als 2.500 Jahren pflanzten Griechen und Phönizier die ersten Rebstöcke an.

Antinori in Apulien

Apulien ist auch die Heimat der Weinmacher von Tormaresca. Hinter der Marke steht die toskanische Weinfamilie Marchesi Antinori, die seit Ende des 14. Jahrhunderts Weinbau und Weinhandel betreibt. Seit 26 Generationen! Was für eine Geschichte!

1998 beschloss Familienoberhaupt Piero Antinori, sich in Apulien engagieren. Der heutige Präsident von Tormaresca, Giuseppe Palumbo, hatte den Marchese vom Potenzial der Region überzeugt: Kalk- und Sandsteinböden, die Nähe zum Meer, konstante, kühlende Winde, durchschnittlich 300 Sonnentage im Jahr und milde Winter bieten ideale Bedingungen für große Weine. „Noch bis Ende der 1990er Jahre wurde in Apulien zwar viel Wein produziert,“ erzählte uns Giuseppe Palumbo bei unserem Besuch, „jedoch wurden die Trauben einfach lose nach ganz Europa exportiert, vor allem nach Frankreich.“ Masse statt Klasse. Höchste Zeit also, den Weinanbau in Apulien zu revolutionieren und eine eigene Identität zu entwickeln. Ein Fall für Piero Antinori, den Erfinder des Supertoskaners Tignanello.

Einheimische Reben

Ein weiteres Plus: Apulien besitzt viele autochthone, also einheimische, Rebsorten – so zum Beispiel Primitivo, Sangiovese, Nero di Troia, Negroamaro, Malvasia Nera und Aglianico für Rotweine und Fiano, Falanghina, Malvasia sowie Moscato bei den Weißen. Zu den beliebtesten Rotweinen Süditaliens zählt die Rebsorte Primitivo, deren Name vom Wort „prima“ kommt – die Erste. Wegen ihrer frühen Reife wird diese Traube als Erstes geerntet.

An die lange Tradition des apulischen Weinbaus wollte Antinori anknüpfen und so wurde 1998 Tormaresca gegründet, das von Beginn an zu den Pionieren des apulischen Spitzenweins zählt. Zwei Weingüter betreibt Tormaresca in der Region: Bocca di Lupo (Wolfsrachen) im Nordosten der Halbinsel und Masseria Maìme im südlichen Salento.

Bocca di Lupo

Als Erstes besuchten wir Bocca di Lupo, dessen Weinberge zur DOC Castel del Monte gehören. Benannt ist die Herkunftsbezeichnung nach der ikonischen, achteckigen Burg, die Stauferkönig Friedrich II im 13. Jahrhundert aus Kalkstein errichten ließ. Die „Krone Apuliens“ liegt rund 20 Kilometer westlich von Bocca di Lupo.

Empfangen wurden wir hier von Önologe Michele Leone und Agronom Antonio Caputo. Die beiden managen Keller und Böden der Tormaresca-Weingüter.

Bocca di Lupo bewirtschaftet rund 140 Hektar Land. Bis zu den dunkelblauen Murgia-Bergen am Horizont erstrecken sich die Weinfelder, auf denen die Tenuta ökologischen Weinbau betreibt.

In den Kalkböden des Weinguts fühlt sich die mediterrane Rotweintraube Aglianico pudelwohl, die als beste Rotweinsorte Südtaliens gilt.  Erst in der zweiten Oktoberhälfte wird sie gelesen – in den frühen Morgenstunden, wenn es am kühlsten ist. Charakteristisch sind die ausgeprägte Tannine des Aglianico, weswegen seine Beeren bei Tormaresca besonders schonend behandelt werden, um ihnen die Härte zu nehmen. Kellermeister Michele Leone hat den richtigen Riecher für seine „Schützlinge“: Aus der uralten Traube erzeugt die Tenuta ihre besten Weine.

Star des Weinguts ist der gleichnamige Bocca di Lupo, ein hundertprozentiger Aglianico. Fünfzehn Monate reift dieser Wein im Barrique und weitere zwei Jahre in der Flasche. Dann verströmt er einen intensiven Duft von Wildbeeren mit Nuancen von Schokolade und einem Hauch Espresso. Mit 14 Prozent Alkohol, ausgewogenen Tanninen und saftiger Frucht ist dieser Wein ein ganz besonderes Erlebnis. Tormaresca-Präsident Giuseppe Palumbo sagt stolz: „Dieser Wein kann es mit den großen Gewächsen in Europa und der Welt aufnehmen.“

2007 wurde Bocca di Lupos Gutshaus in traditionellem Stil erbaut, der typisch ist für Gutsbetriebe in der Region Murgia . Von außen wirkt das Gebäude wie eine Trutzburg, ein Bollwerk des guten Weingeschmacks.

Innen dominieren Weite, Licht und Luft. Die riesigen Fenster öffnen sich zur Landschaft.

Das Gebäude gruppiert sich um einen orientalisch anmutenden Innenhof mit Säulen, Palmen, Blumen und einem Wasserbecken im Zentrum.

In diesem stilvollem Ambiente werden Gäste und Kunden empfangen, die edlen Weine verkostet und geprüft. Ein Ort der Ruhe und Konzentration.  Geradezu klösterliche Einkehr herrscht hier.

Masseria Maìme

Etwa 200 Kilometer weiter südlich liegt das zweite Weingut von Tormaresca inmitten einer der schönsten Gegenden des oberen Salento. Masseria Maìme erstreckt sich bis zur Adriaküste. 500 Hektar umfasst der Besitz, von denen 250 mit Reben bepflanzt sind und 80 mit Olivenbäumen.

Der Name bezieht sich auf die befestigten Bauernhöfe Süditaliens, die hier Masseria genannt werden. Die Gebäude von Masseria Maìme stammen zum Teil aus dem 17. Jahrhundert, sie wurden früher für die Lagerung von Getreide und die Weinherstellung genutzt. 

Die Halbinsel Salento ist verwöhnt von einem typisch mediterranen Klima mit milden Wintern und langen, heißen und trockenen Sommern. Die stetige Meeresbrise sorgt jedoch dafür, dass es den Reben nicht zu heiß wird.

Tradition und Innovation

Teil der Antinori-Philosophie ist es, regionale und lokale Traditionen zu wahren, die alten Reben zu pflegen und für beste Ergebnisse die neueste Technik einzusetzen. Die riesigen Keller sind mit modernen Stahltanks ausgestattet, die digital gesteuert werden. Auf Masseria Maìme unterhält Tormaresca zudem ein önologisches Labor. Die Weine beider Güter werden hier abgefüllt und für den Handel fertig gemacht.

Zu Masseria Maìmes besten Weine zählen der rote Masseria Maìme aus Negroamaro, der rote Torcicoda aus Primitivo-Trauben, der weiße Roycello aus Fiano – eine Traube, die schon Plinius der Ältere schätzte – und der Rosé Calafuria aus Negroamaro, den wir ganz besonders mochten. Ein großartiger Begleiter zu einem ausgedehnten Mittagessen am Sonntag mit vielen, wunderbaren Vorspeisen.

Das Restaurant

Apropos Kulinarik: Zum Weingenuss gehört natürlich ein schönes Essen. „Mare e terra“ – Zutaten aus dem Meer und vom Land – prägen die Küche Apuliens. Vielseitige Gemüse, Pasta aus Hartweizenmehl und das aromatische, goldgrüne Olivenöl sind die Hauptdarsteller in den Küchen der Region. 2016 eröffnete Tormaresca in der Altstadt von Lecce ein eigenes Restaurant unter dem schlichten Namen „Vino e Cucina“ – Wein und Küche.

Das lässig-fröhliche Weinbistro ist mit farbenfrohen Majolika-Kacheln und hellem Kalkstein ausgestattet und erinnert an alte apulische Gutshöfe.

Wir durften Chefkoch Aldo Caricato über die Schulter schauen, der in der winzigen Küche einfache und doch raffinierte Gerichte zaubert. Zum Beispiel „Carbonara di mare e bottarga“,   Carbonara mit Meeresfrüchten und Bottarga, dem Kaviar Süditaliens, einer besonderen Delikatesse, die aus getrocknetem, gepresstem Fischrogen besteht.

Ich hatte mir „Crema di ceci con calamari saltati al rosmarino“ bestellt, eine Art Humus auf süditalienische Art mit Kalamari, die in Rosmarin-Öl sautiert wurden. Etwas Salbei und einige Chilifäden darüber sowie knusprig ausgebackene Kichererbsen. Sehr köstlich!

Herrlich schmeckten die frischen Miesmuscheln mit Tomaten, schwarzem Pfeffer und einem Hauch Zitronensaft.
Außerdem gab es ein Risotto mit Meeresfrüchten und Gemüse.
Dazu eingeschenkt wurden die feinen Weine der Tormaresca-Weingüter.
Zum Dessert gab’s Käse aus der Region …
… und einen wunderbaren Käsekuchen. Kulinarisch hochbeglückt sind wir an diesem Abend in unser Feriendominizil gefahren.

Adressen und Öffnungszeiten

Restaurant Vino e Cucina: Via Benedetto Cairoli, 25, 73100 Lecce (LE)
Dienstag und Mittwoch von 19.30 – 23.30 Uhr
Donnerstag bis Sonntag von 12.30 – 15.00 Uhr, 19.30 – 23.30 Uhr

Tenuta Masseria Maìme: S. P. 86 per Torre S. Gennaro, km 5, 72027 San Pietro Vernotico (BR)
Tenuta Bocca di Lupo: Contrada Torre d‘ Isola, 76013 Minervino Murge (BT)
Montag bis Freitag von 9.00 – 12.30 Uhr, 14.00 – 17.00 Uhr
Am Wochenende können Führungen gebucht werden.
Telefon: +39 0883.692691
E-Mail: tormaresca@tormaresca.it
Web: https://www.tormaresca.it/

Bilder: (c) Tormaresca, Pixabay, Bettina und Mario Melzer
Musik im Video: http://www.musicfox.com

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2 Gedanken zu “Tormaresca: Weinmacher aus Leidenschaft

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